Doppelt besonders (19.04.2017)

Möglicherweise habe ich hier irgendwann einmal ein Buch erwähnt, das ich als junger Fußballspieler ganz gern mochte: „Der Torwart ist eben etwas Besonderes“ von Brian Glanville. Es handelt von einem jungen Torwart auf dem Weg in den Profifußball, spielt in England und ist für den aktuellen Spielbericht völlig irrelevant – wenn man davon absieht, dass wir am Mittwoch gleich zwei besondere Torhüter hatten: Auf der einen Seite stand ein vermeintlich in nordischen Gefilden wettergegerbter junger Mann im Kasten, der sich am späten Nachmittag angesichts einiger vereinzelter Wolken Hilfe und eine Regenjacke suchend an die Gemeinschaft wandte. Verwunderlich, dass er nicht auch noch nach einem Fön frug. Sein Gegenüber war ein nicht minder seltener Gast, zumindest in den letzten Monaten: Comebacker Tantieme, der zwar keine Defizite bei der Oberbekleidung zu beklagen hatte, wohl aber beim Schuhwerk. Wie auch immer: Schön, dass die beiden da waren und künftig auch wieder regelmäßig sind. Also, der eine. Womit ich nicht sagen will, also, der andere, ach, Faden verloren.

Die hinten heraus etwas lautere Mannschaft trat in Unterzahl und bunten Hemden an. Sie begann recht abwartend, ohne rechten Zug zum gegnerischen Tor, bzw. ohne überhaupt zu wissen, wer im Sturm spielen sollte. Orange hatte dementsprechend optisch etwas mehr vom Spiel und zudem in Igor einen Kommunikator, der das Feld nicht so einfach dem bunten Torwart überlassen und zudem ganz offensichtlich gewinnen wollte.

Das erste bunte Tor erzielte Armin durch einen Foulelfmeter, der gerade so die Linie überquerte, auf orangener Seite traf Igor aus halblinker Position mit dem Außenrist, wie Terodde quasi, nur nicht so elegant gelupft. Wer indes in Führung gegangen war – ich weiß es nicht mehr.

Nachdem Igor, erneut per Außenrist, seine Mannen in Führung gebracht hatte, bekamen auch wir Unwissenden eine Ahnung von Ralfs kolportierter Unfehlbarkeit aus der Vorwoche vermittelt: Albi flankte von rechts auf die Strafraumlinie, und während bunt noch überlegte, wie man Ralf nach der Ballannahme am besten stören solle, onetouchte er die Hereingabe per Dropkick aus der Drehung mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit direkt neben den Pfosten.  3:1.

Bunt traute sich nun etwas öfter nach vorne, wenn auch eher gemächlich und zu häufig mit halsbrecherischen Pässen durch die Mitte, wie sie einer Unterzahlmannschaft selten gut zu Gesicht stehen. Als man indes erstmals zügig über außen spielte, setzte sich jemand am rechten Flügel durch, seinen Querpass drückte jemand anderes über die Linie: 3:2.

Doch orange ließ sich nicht lange bitten: Der aufmerksame Albi holte sich nach einer abgewehrten Ecke den zweiten Ball, ließ ihn einmal kurz aufspringen und platzierte ihn mit einem schicken Schrägschuss am sich auf der Suche nach einem Alibi abrollenden Torhüter vorbei in die lange Ecke. Kurz darauf zog Igor als seitenverkehrter Robben nach innen und kam aus zentraler Position zum Abschluss, traf den Ball aber eher so mittel. Vermutlich war der Torwart jedoch bereits auf dem Weg in die Robben-Ecke, sodass er dem zentral auf das Tor zuhüpfenden Ball nur noch eine ebenso unorthodoxe wie erfolglose Fußabwehr entgegenzusetzen hatte. 5:2. (Merkt man, dass hier alles daran gesetzt wird, ihn nicht zum man of the match zu machen?)

Bald darauf spielte Armin einen abgewehrten Ball vom eigenen Strafraum mit viel Übersicht und etwas Glück in den Laufweg seines Mittelstürmers, der Tantieme im 1:1 gerade noch so überwinden konnte – 5:3. Doch Igor setzte nach, packte ein drittes Mal den Außenrist aus und den Ball in die lange Ecke. 6:3, und obwohl noch eine gute halbe Stunde zu spielen war, glaubten die Bunten wohl nicht mehr daran, noch etwas reißen zu können.

Immerhin, sie stellten sich in der Abwehr zunehmend geschickter an, verteidigten konsequenter, gingen die in Unterzahl nicht immer schmerzfreien Wege nach hinten; vorne indes vergaben sie manche Chance eher kläglich. Irgendwann gelang es ihnen, den Spielzug, der zum 3:2 geführt hatte, zu reproduzieren: Armin setzte Rechtsaußen Roman ein, der spielte in die Mitte und Tobi H. wurschtelte ihn irgendwie über die Linie. Der zweite beschleunigte Angriff über rechts hatte zum zweiten Mal zu einem Tor geführt, 6:4. Bald darauf führte Roman eine Ecke kurz aus, Armin spielte am Sechzehner quer, Abschluss, 6:5.

Igor hatte die Chance, den Deckel drauf zu machen, vergaß aber, den Außenrist zu nehmen, und verzog. Auf der anderen Seite griffen die zunehmend unter Zeitdruck stehenden Bunten mittlerweile zu Halbfeldflanken und Chips. Einen solchen servierte Armin so perfekt, dass der verteidigende Albin zwar gerade noch mit dem Kopf heranreichte, ihn aber nur noch unhaltbar für Tantiemovic verlängern konnte. 6:6.

In Ermangelung einer Uhr wurde vorgeschlagen, dass das nächste Tor das Spiel beende. Und so geschah es, dass Bunt einen Ball abfing und Armin auf die Reise schickte, der mit höherer Standfestigkeit gesegnet war als der gegnerische Torhüter und anschließend auf den mitgelaufenen Roman passte, der die eine oder andere Verbrennung in Kauf nahm und den Ball über die Linie grätschte. Abpfiff.

Orange trieb nun, vom Golden Goal überwältigt, doch noch eine Uhr auf, und es wurden zehn weitere Minuten angesagt, die sich zur allgemeinen Überraschung dann doch nur wie deren drei anfühlten. Es blieb beim 6:7.

Jochen, schön war’s, komm bald wieder! Tantieme, ganz ehrlich: So schnell hatte ich nicht wieder mit Dir gerechnet, es ist mir ein Fest!

Bunt 7:6 Orange

Bunt: Armin, Harald, Manu, Roman, Tobi H., Islandese
Orange: Albin, Albrecht, Igor, Meister, Ralf, Stefan, Tantieme

Man of the match: Bei Darko hieß es, Igor habe seinen Hut in den Ring geworfen. Wer vier Tore erzielt, hat gute Argumente auf seiner Seite. Auch der aufmerksame und fulminant abschließende Albi wäre ein Kandidat gewesen, hätte das Team der beiden nicht in Überzahl verloren. So aber wird es derjenige, der an fast allen bunten Toren beteiligt war und nebenbei sehr diszipliniert nach hinten spielte: Armin. („Das Spiel haben wir in der Abwehr gewonnen.“)

 

 

 

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2 Antworten zu “Doppelt besonders (19.04.2017)

  1. Wahnsinn Manu, selten einen ausführlicheren und detaillierten Spielbericht gelesen! Diktiergerät dabei gehabt, heimlich gefilmt oder frei erfunden? Anders kann ich mir diese Detailtreue nicht erklären.

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